Im Vorfeld unserer Reise hat sich die Pilotin gewünscht, weniger „schnell“ unterwegs zu sein. Lieber weniger und dafür längere Stationen. Bisschen mehr Ruhe und Erholung. Wir waren bei manchen unserer früheren Reisen schon ein wenig schneller und zackiger unterwegs gewesen, und da kam die Erholung dann auch mal zu kurz.
Was wir gar nicht ahnen konnten: für diese Entschleunigung sind wir nirgendwo besser aufgehoben als hier. Das ging tatsächlich schon in Patras auf dem ersten Stellplatz los. Obwohl der jetzt nichts besonderes zu bieten hatte, sind wir einfach noch einen Tag länger geblieben. Ist es das Wasser? Ist es die Luft? Sind es die spätsommerlichen Temperaturen? Das Essen? Oder doch die wunderbar entspannten und freundlichen Menschen hier? Es scheint eine ganz besondere griechische Melange zu sein, die uns augenblicklich in diesen herrlichen Zustand versetzt: Urlaub!

In Palouki an der Westküste der Peloponnes landen wir auf einem Campingplatz zum auftanken – Sonne, Strom, Wasser. Zum benachbarten Strand mit SeaTra Lift radeln wir an Melonenfeldern vorbei. Verschlafen, ruhig, entspannt, Urlaub!
Dann geht es nach Olympia, wo die antiken Olympischen Spiele stattgefunden haben. Die Ausgrabung ist relativ gut mit Rollstuhl zu besichtigen. Wir fühlen uns wie Asterix und Obelix, Conny dreht eine Runde über die Laufbahn, für mehr ist es dann doch zu heiß.

Von dort zielen wir wieder an den Strand nach Kato Samiko, wo wir wieder 2 Nächte bleiben, an einem Abend muss Conny die Cantienica Chefin in einem online Kurs vertreten und ist entsprechend nervös, aber meistert die Klasse souverän.

Die Pilotin hat aber noch einen Arbeitstermin: am Wochenende gibt sie einen online Workshop, und braucht dafür einen Raum mit Dach und Platz und Netz.

Zufälligerweise stellt sich heraus, dass eine ihrer Kursteilnehmerinnen gar nicht weit weg wohnt – in Koroni, am untersten Zipfel vom ersten Finger der Peloponnes. Dort darf sie das frisch angemietete Büro benutzen. Wir fahren also nach Koroni mit einem Abstecher nach Kalamata, wo noch ein SeaTrac vermerkt ist. Wir machen uns daneben breit und lassen uns von der Sonne aufheizen, aber als ich dann ins Wasser möchte, funktioniert das Ding nicht! Etwas genervt probieren wir unser Glück auf der anderen Seite der Stadt, und da funktioniert zum Glück alles und es gibt Abkühlung.

Koroni ist ein hübscher Ort mit einem gefühlt ausgewogenem Verhältnis von Tourismus und Einheimischen. Es gibt nette Läden und feine Restaurants. Am Samstag macht Conny mit Erfolg ihren Kurs, und ich faulenze den ganzen Tag an der Box auf dem Campingplatz.

Dann geht es weiter nach Stoupa an der Westküste des Mittelfingers der Peloponnes. Hier soll es einen schönen neuen Küsten-Fahrradweg geben. Wir wollen eigentlich zuerst an den Strand zum SeaTrac, wo es auch einen Behindertenparkplatz gibt. Was wir nicht wissen: die Strandpromenade ist winzig und außerdem voller Touris und Autos. Die Leute links und rechts schauen uns an und dann die Box – und schütteln mitleidig den Kopf. Rückwärts ist Einbahnstraße und hinter uns schon fünf weitere Autos, da geht nichts mehr. Vorwärts auch nicht, da steht ein Handwerkerauto. Ein wenig Panik steigt im Cockpit auf. Aber dann wirkt die griechische Melange – Magie. Der Handwerker verschwindet lächelnd. Der Wirt gibt uns freundliche Hinweise wie wir am besten herauskommen, und fünf Minuten später stehen wir auf dem Campingplatz, und gleich darauf bin ich schon wieder glücklich planschend im Meer. Und das Ganze völlig ohne Geschrei, wütendes Gehabe oder blöde Sprüche!

Der Fahrradweg ist wirklich herrlich. Es macht uns viel Spaß, Conny mit ihrem Fahrrad und ich mit Rollstuhl und Zuggerät durch die schöne Küstenlandschaft zu fahren. Wir finden einen weiteren SeaTrac, aber das Meer ist durch relativ viel Wind ziemlich aufgewühlt, und die Wellen knallen mit voller Wucht auf die Schienenbahn – da gehen wir lieber einen Kaffee trinken!

Dann geht es weiter nach Gythio, das ist in der Bucht zwischen dem Mittel- und dem dritten Finger. Hier kommen wir passend zum Brunch an und zum ersten Mal überhaupt spielen wir unsere Trumpfkarte aus: die Behindertenparkkarte. Direkt am Dorfplatz, wo die ganzen Cafés sind. Wir passen gerade so hin. Bei Kaffee mit süßen Stückchen werden wir von einem ordentlichen Gewitter erwischt. Bald geht es weiter zum Stellplatz – hier gibt es ein malerisches Wrack zu besichtigen. In der Nacht regnet es ordentlich. Eine kleine Kostprobe Herbst.

Diese Ecke der Peloponnes ist nur schlecht mit mobilem Netz versorgt. Jetzt am Morgen brauchen wir es aber ziemlich dringend. Conny gibt ihre online-Kurse und wir haben anschließend beide Videositzungen mit unseren Therapeuten. Wir machen uns also früh um acht auf die Suche nach Netz. Nach einer ganzen Weile „Balken-Slalom“ – in jeder Kurve werden die Netzqualitätsanzeigebalken aufgerufen – finden wir ein tolles Plätzchen, wo eine Kirche auf einer Landzunge steht. Drei Balken! Alles super!

Und dann geht es noch weiter nach Astros, an die Ostküste des dritten Fingers. Hier sind drei weitere SeaTracs auf der Karte vermerkt. Der Ort ist ein recht touristischer Ferienort, und die Saison ist hier ganz offensichtlich vorbei. Alles wirkt etwas verlassen und auch ein bisschen heruntergekommen. Und die SeaTracs sind alle bereits abgebaut und eingemottet. Wir sind ein bisschen enttäuscht, weil wir eigentlich nur deshalb hierher gekommen sind. Der Platz am Strand ist aber trotzdem schön, und ein feines Essen im letzten geöffneten Lokal lässt die Melange – Magie wirken – wir bleiben noch eine Nacht!


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