6 Tage hin, 6 Wochen zurück

Wir melden uns nach einer Pause ohne langen Reisen zurück von unterwegs! 

Diesmal konnten wir uns 7 Wochen zusammensparen zum Wegfahren. Von Ende September bis Mitte November. Also eine Verlängerung des Spätsommer. Nochmal ins Warme, ans Meer, aber wohin genau soll es denn gehen?

Vor ziemlich genau zwei Jahren in Südfrankreich war ich zum letzten Mal baden, zum letzten Mal im Meer. Weil meine Beine nicht mehr richtig funktionieren, ist das selbstständige rein- und rauskommen ins Wasser nicht mehr möglich. Ich bin immer sehr gerne in und am Wasser gewesen, die Schwerelosigkeit, die Unterwasserwelt, das Uferleben, alles das habe ich gerne erlebt. Und jetzt während des Hitzesommers habe ich neidisch auf die Menschen geschaut, die sich zum abkühlen in einen Brandenburger Badesee werfen konnten. Auf der Suche nach barrierefreien Wasserzugängen bin ich über SeaTrac gestoßen. Das griechische startup hat eine tolle Erfindung realisiert: ein modularer mobiler barrierefreier Wasserzugang, der an über 300 Stränden in Griechenland und weltweit zu finden ist.

Als ich das auf deren Website gesehen habe, musste ich vor Rührung erstmal ein Paar Tränen aus den Augen wischen – ich erlebe  Inklusion in Deutschland zumeist eher als Idee oder Forderung und nicht als Prinzip und in die Realität umgesetzt.

Jedenfalls hab ich das der Pilotin gezeigt und schnell war unser Reiseziel festgelegt: auf zu den Stränden Griechenlands!

Damit wir möglichst viel davon in noch angenehmen Temperaturen erleben, haben wir eine Idee der Landschleicher aufgenommen: bis nach Ancona in Italien, dann mit der Fähre nach Patras. So können wir in weniger als eine Woche in Griechenland sein, und von dort aus langsam über Land wieder zurück.

Gleich nach unserer Ankunft in Patras sind wir zum Headquarter von SeaTrac gefahren und haben die Leute beim Feierabend gestört. Dort durfte ich eine Fernbedienung mitnehmen, womit ich diesen Sitz, der auf Schienen ins Wasser fährt, steuern kann. Und dann haben wir uns gleich in Patras an den Stadtstrand gestellt, mit Blick auf die Brücke über den Korinth. Und ab ins Wasser! Herrlich. Traumhaft! So schön!

Okay, ich sollte noch eine Schwimmnudel besorgen – für die Sicherheit, weil Kraft und Beweglichkeit nicht mehr so sind wie sie mal waren, und im Wasser kann das auch in die Badehose gehen.

Und es war ziemlich windig und wellig, der Strand nicht der schönste, aber alles egal, ich kann wieder selbstständig ins Wasser! Ohne fremde Hilfe! Und das sogar einigermaßen würdevoll, sogar ein wenig cool. Ich bin so dankbar! Toll SeaTrac! Danke!

War ja auch gar nicht so ganz sicher, dass das alles klappt, das wir hier überhaupt ankommen. In der Nacht nahe Ancona vor der Fähre sah das alles noch anders aus.

Zu Ostern waren wir mit der Box ein Monat in den Niederlanden unterwegs (da fehlt noch ein Bericht, aber immerhin gibt es Fotos), im Mai am Mövenort auf Rügen, im Sommer auf dem Fusion-Festival an der Müritz und gleich danach in Polen bei Giegling am See, ein kleines und sehr feines Festival. 

Und jedesmal hab ich immer mehr bemerkt, dass die Box nicht wirklich ein barrierefreies Wohnmobil ist: Die sechs Treppenstufen hinein bekomme ich nicht mehr jedesmal selbstständig hin, dann muss mir jemand hoch helfen. Und wenn dann noch irgendwas dazu kommt – Müdigkeit, ein Infekt, ein paar Whisky, verdächtige Substanzen – dann kann es passieren dass ich die steile Treppe in den Alkoven gar nicht mehr hinbekomme. Dann muss ich auf dem Sofa schlafen. Das ist auf Dauer natürlich kein Zustand. 

Entsprechend war ich im Vorfeld der Reise ziemlich besorgt, ob das denn alles überhaupt zu bewältigen ist. Dann hat mich in dieser Zeit auch noch ein Harnwegsinfekt flachgelegt und mich zusätzlich geschwächt.

Trotzdem starten wir am Donnerstag den 24.9. Richtung Süden. Am 29. geht die Fähre in Ancona. Wir planen 4 Etappen, aber die Pilotin ist so froh, unter sich wieder den Asphalt zu spüren, dass wir es in drei schaffen: die erste Nacht verbringen wir nahe Pegnitz in Horlach mit einem leckeren Abendessen in der Dorfwirtschaft. Die zweite sind wir schon im Tirol auf der Via Claudia – ich will in Österreich nie wieder Maut bezahlen, darum wählen wir statt dem Brenner die malerische Route über Fernpass und Reschenpass, und die dritte Nacht verbringen wir schon mit 12grad wärmeren Temperaturen auf einem Stellplatz in Verona.

Am Abend des vierten Reisetages checken wir auf einem Campingplatz kurz vor Pesaro ein. Hier genießen wir den gewonnenen Tag. Mir ist allerdings nicht so richtig nach genießen, irgendwas ist nicht in Ordnung, ich bin schwach und müde, alles ist super anstrengend. Die Nacht vor der Überfahrt muss ich wieder aufs Sofa, und dunkle Wolken überschatten meine Gedanken. Ich schaffe das alles nicht mehr?! Wozu das alles?! Drehen wir um und lassen alles sein?! 

Wir beschließen am Morgen, trotzdem auf die Fähre zu gehen, und dann mal weiter schauen. Die Überfahrt dauert 25 Stunden, und wir haben eine barrierefreie Außenkabine mit Badezimmer. Ich rasiere und dusche mich ausgiebig. In der Nacht merke ich, wie sich die Fatigue auflöst. Ich kann mich plötzlich wieder bewegen, alles geht besser. Auf dieses Gefühl habe ich drei Wochen gewartet, und jetzt tut es mir so gut, dass sich der Grauschleier wie ein Vorhang öffnet und ich wieder positiv denken kann! Und von diesem Gefühl getragen lande ich am Ende sogar im warmen salzigen Wasser.

In Patras bleiben wir zwei Nächte auf dem Parkplatz vor dem Stadtstrand. Hier gehen die Einheimischen zum Baden. Es ist schon noch einiges los, aber nicht soviel als dass wir stören würden. 

Dann fahren wir eine kurze Strecke nach Südwesten auf die Peloponnes nach Palouki auf den Campingplatz zum auftanken: Strom, Wasser, Sonne. Hier ist noch Sommer, zuwenig kurze Hosen eingepackt, das Wasser ist warm genug zum Baden. Der Plan war gut! In 6 Tagen hin – und dann haben wir ganz gemütliche 6 Wochen für den Rückweg.

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Ein Kommentar zu „6 Tage hin, 6 Wochen zurück“

  1. Wow!! Wie toll, dass es alles so geklappt hat!! Genießt das Wasser, die Wärme und die Schwerelosigkeit 😃


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